Deutschlands Top-Talent Annika Beck steht beim "Generali Ladies Linz 2014" im Doppelfinale

Die Geige, das Ballett und eine Mutprobe: Wenn Annika Beck ihre Tennistasche öffnet, dann lacht sie ein flauschiger Teddybär an. „Den hat mir meine Mutter nach meinem Sieg bei den French-Open-Juniors 2012 geschenkt“, verrät die 20-Jährige, die seit Juli 2013 noch einen Glücksbringer mit sich trägt. Einen Mini-Geigenkasten mit einer hölzernen Violine drin: „Den hat mir ein Fan beim Turnier in Bad Gastein geschenkt. Er hat wohl gewusst, dass ich Geige spiele.“ Das „Generali Ladies Linz“ ist eines ihrer Lieblingsturniere, am Samstagnachmittag hat Annika Beck mit ihrer französischen Partnerin Caroline Garcia durch einen 6:2, 6:3-Sieg über Marina Erakovic/Anabel Medina Garrigues (NZL/ESP) das Doppelfinale erreicht (Sonntag, 11.30).

Annika, leben Sie Ihre musische Ader auch heute noch aus? Beck: Ich habe zehn Jahre Unterricht in klassischer Geige gehabt, auch im Schulorchester gespielt. Wenn ich jetzt von Turnieren nach Hause komme, dann genieße ich es, zum Entspannen vom Tennisalltag Geige zu spielen, meine Lieblingskomponisten sind Mozart und Beethoven.

Profitieren Sie im Tennis von zehn Jahren Ballett-Unterricht?
Beck: Zum Glück habe ich als Tochter eines Chemiker-Ehepaares eine vielseitige Ausbildung absolvieren können. Ich habe Hockey gespielt, war Leichtathletin, bevorzugt Sprinterin. Und durch die Ballett-Schule bin ich viel dehnfähiger geworden und verfüge über eine gute Balance, was mir natürlich im Tennis zugute kommt.

Deutschlands Damentennis mit Angelique Kerber, Andrea Petkovic und Sabine Lisicki an der Spitze erlebt ja einen wahren Boom. Empfinden Sie das als Belastung oder Motivation?
Beck: Das ist ein großer Ansporn für mich, denn alle arbeiten genau so hart wie ich, um ihr Ziel zu erreichen: Grand-SlamTurniere zu gewinnen und den Sprung unter die Top fünf der Welt zu schaffen. Wir haben eine gute Harmonie im deutschen Team, Andrea Petkovic ist ein richtig lustiger Vogel, die immer einen guten Spruch auf den Lippen hat. Und Fed-Cup-Chefin Barbara Rittner kümmert sich rührend um unser Wohl.

Pflegen Sie auch mit Spielerinnen aus anderen Ländern eine Freundschaft?
Beck: Mit Yvonne Meusburger habe ich einen guten Kontakt. Als sie mir bei den US Open erzählt hat, dass sie ihre Karriere beendet, hat mich das wie ein Schlag getroffen. Aber sie hat sehr glücklich gewirkt mit ihrer Entscheidung. Wir haben viel gelacht. Ich wünsche ihr alles Gute für ihren weiteren Weg.

Serena Williams hat heuer zum dritten Mal hintereinender die US Open gewonnen, sie dominiert das Damentennis seit vielen Jahren. Spricht das für Serena oder gegen ihre Konkurrentinnen?
Beck: Es spricht für sie! Serena ist körperlich überlegen, kann mit 10 bis 15 km/h schneller servieren, erreicht Spitzenwerte um die 200 km/h. Sie hat viel Vertrauen in sich und ihr Spiel, und sie ist sehr fokussiert.

Wer ist Ihr großes Vorbild?
Beck: Roger Federer, früher wie heute. Es imponiert mir, wie er sich verhält, stets korrekt und sympathisch. Beim Tennis genau so wie privat.

Beim Generali Ladies Linz haben Sie heuer wieder in Runde eins verloren, diesmal gegen Anna Schmiedlova.
Beck: Ja, ich wollte es besser machen als im Vorjahr, denn mir gefällt es sehr in Linz. Ich spiele gerne in der Halle, der Centre Court ist sehr groß und schön, und Turnierdirektorin Sandra Reichel überrascht uns Spielerinnen immer wieder mit einem speziellen, familiären Ambiente. Ich freue mich jetzt riesig über meinen Erfolg im Doppel mit Caroline Garcia.

Stimmt es, dass Sie unter Höhenangst leiden?
Beck: Ja, das stimmt schon. Ich will meine Höhenangst endlich überwinden. Als besondere Mutprobe will ich einen Kletterturm besteigen, in zwei Jahren will ich so weit sein.