2020

„Es ist für mich eine Kombination aus Arbeit und Freundschaft“

Turnierbotschafterin Barbara „Babsi“ Schett fiebert in diesem Jahr im fernen Australien bei den Upper Austria Ladies Linz mit.

Sie gehört normalerweise zum Inventar der größten Frauensport-Veranstaltung in Österreich. Doch in diesem Jahr ist beim Upper Austria Ladies Linz nun einmal kaum etwas normal. Turnierbotschafterin Barbara „Babsi“ Schett kann die Veranstaltung diesmal nicht als Interviewerin auf dem Court unterstützen, weil sie auf dem Weg zurück zu ihrer Familie in Australien in Quarantäne ist. Da bleibt natürlich genug Zeit, um in Erinnerungen an das größte österreichische Damentennis-Turnier zu schwelgen und sich Gedanken über das Finale am Sonntag zu machen.

Babsi, Du gehörst zum Herzstück unserer Turnierfamilie und hättest in diesem Jahr eigentlich dein 15-jähriges Jubiläum als Turnierbotschafterin des Upper Austria Ladies Linz gefeiert. Statt in Linz befindest Du dich stattdessen in einem Hotel in Brisbane in Quarantäne. Wie schwer ist dir die Entscheidung gefallen, das Turnier ausfallen zu lassen?

„Natürlich ist mir die Entscheidung überhaupt nicht einfach gefallen, weil mir das Turnier sehr am Herzen liegt und es wehtut, wenn man nicht vor Ort sein kann. Das Turnier auszulassen, ist für mich schon ein großer Verzicht. Gerade bei dem 30-Jahr-Jubiläum ist es irrsinnig schade, dass das Turnier ohne Zuschauer stattfinden muss. Das Turnier ist seit 30 Jahren so ein Fixpunkt im Kalender und ein echtes „Kind“ von Familie Reichel. Das ist schon sehr schade.

Aber für mich war es trotz allem die richtige Entscheidung, weil ich meine Familie einige Monate nicht gesehen habe. Und ich gehöre ja trotzdem zur Turnierfamilie und stehe täglich in Kontakt mit den Verantwortlichen des Turniers, die mich auf dem Laufenden halten.“

Wie informierst Du Dich, abgesehen von den Gesprächen mit den Turnierverantwortlichen, allgemein über das Upper Austria Ladies Linz und wie verfolgst du die einzelnen Matches – durch die Zeitverschiebung ist das ja ziemlich schwierig, oder?

„Ja, das ist tatsächlich schwierig. An sich habe ich noch kein Match gesehen, aber ich checke jeden Tag die Social-Media-Inhalte des Turniers und die der Spielerinnen und bin so up-to-date. Die WTA berichtet auch ziemlich viel, weil wir aktuell das einzige Turnier sind und so eine relativ große Plattform haben. Da krieg ich schon einen ziemlich guten Einblick und bin trotzdem ein bisschen mit dabei.“

Du hast das Turnier ja jetzt schon einige Jahre miterlebt, sowohl als Spielerin als auch als Botschafterin. Welche Momente sind Dir dabei besonders in Erinnerung geblieben?

„Einer der emotionalsten Tage war für mich mein Abschied im Jahr 2004, den Sandra Reichel für mich organisiert hat. Es war so schön, in dem Rahmen verabschiedet zu werden - mit vielen Freunden und Wegbegleitern! Und aus meiner sportlichen Karriere fällt mir noch das Halbfinale ein, das war auch super. Aber dann gibt es so viele Momente in den letzten 15 Jahren, die einfach anders sind, als dass was man auf dem Platz erlebt. Da gibt es so viele Erinnerungen. Diese Erlebnisse innerhalb des Teams, jedes Jahr passiert irgendwas. Einmal haben wir zum Beispiel auf dem Center Court getanzt, dann gab es mal ein eigenes Turnierlied, da könnte ich gerade wirklich viel aufzählen…“

Was macht es abgesehen von diesen Erlebnissen für Dich aus, in Linz als Turnierbotschafterin dabei zu sein?

„Für mich am schönsten ist, dass wir wie eine Familie sind – ich geh ins Turnierbüro rein und ich fühle mich einfach wohl dort. Wir haben dort ein ziemlich junges, dynamisches Team und es macht so viel Spaß mit ihnen allen zu arbeiten. Es gibt dann auch jedes Jahr einen selbstgebackenen Kuchen und Krapfen und das sind so Kleinigkeiten, die das Turnier speziell machen. Es ist für mich eine Kombination aus Arbeit und Freundschaft!“

Wir erleben morgen ein echtes Traumfinale zwischen Aryna Sabalenka und Elise Mertens. Auch wenn du bisher kein Match live verfolgt hast: Was glaubst Du, wer sich den Titel holen wird?

„Puh, das ist total schwierig. Beide können großartiges Tennis spielen und ich könnte mich jetzt nicht auf eine von ihnen festlegen. Vor allem bei Sabalenka wissen wir, dass sie Power hat. Auch Mertens spielt unglaublich konstant und macht kaum Fehler. Das ist wirklich ein Traumfinale für das Turnier. Wenn eine Nummer 1 gegen eine Nummer 2 im Endspiel steht, dann kann es nur ein Weltklasse-Match werden.“