2020

Barbara Haas 2020 im Wechselbad der Gefühle: New York und Paris waren die Highlights

 

Sie ist jedes Jahr ein Publikumsliebling beim „Upper Austria Ladies Linz:“ Barbara Haas, die als Oberösterreicherin genießt beim Linzer Damentennis-Klassiker alljährlich so etwas wie Heimrecht. Heuer ist „Babsi“ schon zum sechsten Mal in der TipsArena am Start - bisher war jeweils in der 1. Runde Endstation.

Mit ihrer Gegnerin am Mittwochnachmittag, Veronika Kudermetova, hat Haas noch eine Rechnung offen. Vor der Coronapause hatte sie in Brisbane gegen die 23-jährige Russin (WTA 47) verloren. „Das ist ein hartes Los. Wie immer in Linz spiele ich zum Auftakt gegen eine Gesetzte. Natürlich werde ich versuchen, im sechsten Anlauf zum ersten Mal die erste Runde zu überstehen“, sagte Haas nach der Auslosung, die von der Linz AG präsentiert wurde.

Die 24-jährige Oberösterreicherin genießt es, „dass die anderen Spielerinnen derzeit mit mir in meiner Trainingshalle trainieren. Was Besseres kann mir nicht passieren.“ Und wie wird sie sich fühlen ohne Zuschauer in der TipsArena? „Vielleicht bin ich ohne meine Familie und meine Fans eine Spur lockerer. Wer weiß? Die Chancen stehen 50:50.“

 

Österreichs Nummer eins erlebte einen turbulenten Jahresbeginn 2020 Nach einem guten Start in Australien, Thailand und Indian Wells folgte im März der Corona-bedingte Lockdown: „Ich war in der Form meines Lebens und dann wurde alles abgesagt. Monatelang haben wir nicht gewusst, wie es weitergeht“, erzählt Haas, die im Frühjahr von ihrem späteren Höhenflug noch nichts ahnte. Dabei fühlte sie sich vor der Corona-Pause „so gut wie noch nie.“

Dann ging`s Schlag auf Schlag: Zum zweiten Mal nach 2016 schaffte sie im September bei den US Open den Sprung ins Hauptfeld eines Grand-Slam-Turniers. Weil Trainer Jürgen Waber nicht in die USA reisen durfte, erklärte sich „Oldie“ Jürgen Melzer bereit, das Coaching zu übernehmen. In der ersten Runde traf Haas mit der ehemaligen Weltranglisten-Ersten Victoria Azarenka aus Belarus aber auf eine übermächtige Gegnerin.

Den zweiten Auftritt bei einem Grand-Slam-Turnier erlebte sie dann bei den French Open in Paris, wo sie ebenfalls in der 1. Runde ausschied (gegen Su-Wie Hsieh aus Taiwan).  Finanziell haben sich die Reisen nach New York und Paris allemal ausgezahlt, denn allein die Teilnahme am Hauptbewerb ist bei den US Open mit 61.000 US-Dollar und bei den French Open mit 60.000 Euro dotiert.

Während der unfreiwilligen Spielpause entstand eine Grundsatzdebatte über die Preisgeldverteilung. Sollten mehr Profis von Tennis leben können? Auf diese Frage im Interview mit dem „Standard“ antwortete Babsi Haas: „Die Topspieler verdienen sehr gut, das ist auch in Ordnung. Sie sind Botschafter des Tennis. Mich stört etwas ganz anderes. Auf der zweithöchsten Ebene, der ITF-Tour, ist es unmöglich, Geld zu verdienen. Scheide ich in der ersten Runde aus, bekomme ich so gut wie kein Geld. Sollte ich das Turnier gewinnen, steige ich immer noch mit einem Minus aus, weil ich mit Trainer anreise. Das sollte nicht sein.

Wie kann man sich das leisten? „Bei Grand Slams gibt es mehr Preisgeld. Ohne sie wäre es unmöglich, das Tennisjahr zu finanzieren. Ich werde von Verband und Sponsoren unterstützt. Wenn ich den Sprung in die Top 100 schaffe, wäre ich auf solch eine Hilfe nicht mehr angewiesen, momentan schon. Vor allem der Energie AG ist Haas für die langjährige Unterstützung sehr dankbar.